Abt in Ripon, Bischof von York
* um 634 in Northumbrien in England
† 24. April 710 (?) im Kloster Oundle in England
Wilfrith war eine der herausragensten Personen der englischen Kirchengeschichte. Er stammte aus einer adligen Familie, wurde im Kloster Lindisfarne auf Holy Island erzogen und 648 dort Mönch. Wohl 653 begleitete er Benedict Biscop nach Lyon und reiste nach Rom weiter zum Studium der Bibel und des kanonischen Rechts. 654 oder 655 kehrte er nach Lyon zurück, schließlich nach England, wo ihm Alhfrith, der König von Northumbrien, 661 das Amt des Abtes im Kloster Ripon übertrug; Cuthbert, der das Kloster zuvor gegründet hatte, wurde vertrieben. Dort brach er mit der irischen Tradition und führte die Benediktinerregel und die römische Berechnung des Osterfestes ein.
663 wurde Wilfrith von Bischof Agilbert von Paris zum Priester geweiht. Eine wichtige Rolle spielte er auf der Synode von Whitby 664, bei der es heftige Auseinandersetzungen zwischen den an keltisch-irischen Traditionen festhaltenden und den an römischen Traditionen orientierten Gruppen gab; er erreichte die Anerkennung der römischen Regeln und der Autorität des Papstes.
Als Anhänger der römischen Richtung wurde Wilfrith noch 664 zum Bischof von York gewählt; er ging nach Gallien, wo er in Compiègne geweiht wurde. Als er - wohl 666 - nach Northumbrien zurückkehrte, war inzwischen Ceadda an seiner Stelle zum Bischof ernannt worden, Wilfrith zog sich wider nach Ripon zurück und konnte erst 669 sein Amt antreten. Nun gründete er mehrere Klöster, darunter das von Hexham, erwarb Reichtümer für die Kirche und hatte großen Einfluss auf den König. Die klösterlichen Gemeinschaften gewannen an Macht und Einfluss und suchten in ihren Bauten und deren Ausstattung, in Kunst, Kultur und klösterlicher Lebensform den Anschluss an den Kontinent. Der Adel vertraute ihm seine Kinder zur Ausbildung an. Legenden berichten, dass er einen toten Mönch wieder zum Leben erweckt habe. Ceolfrid wurde 670 von Wilfrith in Ripon zum Priester geweiht. Der Königin Nordhumbriens verhalf Wilfrith nach dem Tod ihres Mannes Oswiu 670 zum Eintritt ins Kloster, was für sie die Erfüllung ihres Lebenstraums bedeutete.
678 wurde Wilfrith vertrieben, seine Diözese wurde von Theodor von Canterbury in vier Teile aufgeteilt. Wilfrith reiste nach Rom, um den Papst anzurufen, und missionierte unterwegs in Friesland. Bei seiner Rückkehr nach England 680 erneuerte er seinen Anspruch auf den Bischofsitz von York, doch dort erklärte man das päpstliche Dekret als Fälschung. Mit König Oswius Nachfolger Ecgfrid und dessen Frau geriet er in heftigen Streit über seine Einflussnahme am Hof und wegen der Prunksucht des Herrschers; Wilfrith wurde in Haft genommen und schließlich verbannt.
Wilfrith ging nun nach Mercien, Wessex und dann nach Sussex, wo er das Kloster Selsey gründete, das Königshaus sowie die Isle of Wight zum Christentum bekehrte. Nach dem Tod von König Ecgfrid wurde er 686 oder 687 zu seinen Kirchen in York, Hexham und Ripon zurückberufen, 687 bis 688 leitete er die Kirche von Lindisfarne. 691 wurde er wieder vertrieben und hielt sich einige Zeit in Mittelanglien auf. Während der Synode in Austerfield 702 oder 703 wurde er wieder verurteilt und exkommuniziert, man ließ ihm nur die Kirche von Ripon. Nachdem er 704 wieder Rom um Hilfe gebeten hatte, erhielt er 705 Hexham und Ripon, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte.
Wilfriths leibliche Überreste ruhen neben dem Altar in Ripon, seiner ersten Klostergründung. Sie wurden 1124 nach York überführt. Wilfriths Leben wird in Bedas Historia Ecclesiastica - beendet 731 - und in der wohl schon 715 in Ripon von einem Priester Stephan verfassten Vita Sancti Wilfrithi geschildert. Die Gründe für die Auseinandersetzungen, die seine Laufbahn störten, sind nicht völlig geklärt. Die Könige von Northumbrien könnten auf seine Macht und seinen Besitz neidisch gewesen sein. Konflikte gab es wohl auch mit anderen Kirchenmännern, so mit Theodor von Canterbury um die Unterteilung der Diözese York.
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